Fakedialog statt Kanzlergespräch – ein abgekartetes Spiel statt Bürgerdialog

Fragen wir doch Olaf Scholz: Kanzler kommt am 1. Mai zum Bürgerdialog – Anmeldung läuft. So titelte am 23. März 2023 etwa die Rheinzeitung. Es bestehe die Chance, so das, zu den Mainstreammedien gehörende Format, das zu fragen, „was auf den Nägeln brenne“.

Gefragt wurde dann tatsächlich viel, aber wer glaubte, es würden, angesichts der momentan desolaten Lage Deutschlands, auch unbequeme Fragen gestellt, der wurde enttäuscht. Die Fragensteller schienen allesamt keine großen Probleme zu haben. Alles tippitoppi.

Wie jetzt? Sind wir wirklich so wenige, dass sich unter den 150 Gästen, die dort eingeladen worden waren, nicht einer findet, der den Bundeskanzler mal auf Themen anspricht, auf die er keine vorgefertigte Antwort hat? Eine Frage, wie sie vor ein paar Monaten in einem ganz ähnlichen Format bei Fokus online einmal ein Handwerksmeister gestellt hatte, der sich sein Gewerbe nicht mehr leisten konnte. Damals hatte Olaf Scholz mit einem gehässigen, herabwürdigenden Lachen geantwortet und noch eine hämische Geschichte draufgesetzt. Als er vom Unglück eines anderen Handwerkers erfahren habe, habe er gar nicht gewusst, wie traurig er gucken solle, hatte der Kanzler zwischen mehreren Lachflashs erzählt.

Tja, nicht nur Annalena Baerbock und Robert Habeck sind rhetorische Nieten – auch Olaf Scholz ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Diese Truppe beherrscht nicht einmal das typische Handwerkszeug eines schlechten Politikers: Einen Satz wenigstens so aussehen zu lassen, als habe man gerade etwas Inhaltliches und Vernünftiges von sich gegeben.

Und wie war das nun beim „Bürgerdialog“ vom 01. Mai?

Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war der Bürgerdialog vom 01. Mai 2023, der vom Kanzleramt selber initiiert worden war, eine reine Fakeshow.

Fast alle Fragesteller hatten Parteiämter oder Mandate bei der SPD, den Grünen oder den Jusos inne. Es kann natürlich kein kritischer Dialog entstehen, wenn von vornherein nur Personen zu Wort kommen, die garantiert alles toll finden, was ihr Kanzler alles so verbockt. Beachtlich ist das, weil es den hohen Kenntnisstand demonstriert, den man im Kanzleramt um die große Unzufriedenheit hat. Und es zeigt auch, dass man nun schon mit allerlei Tricks versucht, einen Schein aufrechtzuerhalten, der außerhalb solcher Sendungen nur allzu schnell verblassen würde.

Die Menschen sind unzufrieden mit der Ampelregierung. Doch was kommt danach? Wir dürfen eines nicht vergessen: Geht die #AmpelDesGrauens, kommt #BlackrockDesGrauens. Da werden wir noch weniger zu lachen haben. Ich sage das nicht, weil ich die gegenwärtige Situation erhalten will, sondern weil wir zuerst etwas Neues schaffen müssen, bevor wir etwas Altes einreißen. Solange wir pingpong wählen, wird sich nichts verändern.

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