Es wird nie eine Aufarbeitung geben und sie werden sich nie schämen

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Es wird nie eine Aufarbeitung geben und sie werden sich nie schämen

Viele von uns (mich eingeschlossen) vergleichen die aktuellen Ereignisse mit jenen des dritten Reichs. Die Ähnlichkeiten sind denn auch frappierend und auf keinen Fall von der Hand zu weisen. Es scheint fast, als habe sich das jetzige Regime die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zum Vorbild genommen und kopiere sie jetzt mit den Mitteln unserer Zeit, aber im gleichen Geiste. Mehr noch: Mit übergroßem Entsetzen registrieren wir hilflos, wie unsere Mitmenschen abermals einstimmen in den faschistischen Gleichschritt.

Aber wir haben noch eine Hoffnung. Wir wissen, wie das seinerzeit endete. Enkel fragten ihre Großeltern, ob diese etwa auch mitgemacht hätten, ob sie auch den Arm zum Gruß erhoben und zum Unrechtssystem geschwiegen hätten. Diese schauten dann zumeist betreten zu Boden. Es war eine Scham, die fast ein ganzes Volk ergriff. So sollen sich in naher Zukunft auch jene Mitmenschen fühlen, die nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt haben.

Doch das werden sie nicht tun!

Es wird nie zu einer Aufarbeitung der Ereignisse kommen, wie es zu einer Aufarbeitung des dritten Reichs und seiner Gräueltaten kam. Warum? Weil diese Aufarbeitung und die Scham, die sie auslöste, ein einmaliges Ereignis war. Sie kam nicht etwa aus tiefster Seele, sondern war angeordnet.

Die Gräueltaten des dritten Reichs waren nicht die einzigen Gräueltaten, die an der Menschheit begangen wurden, aber sie sind die einzige in der gesamten Geschichte der Menschheit, die je in großem Stil aufgearbeitet und bereut wurden. Bis heute schämen sich die Amerikaner nicht nur nicht für den Genozid an den Ureinwohnern des Kontinents – nein, sie sind stolz darauf. Sie schämen sich auch nicht dafür, mit Hiroshima und Nagasaki gezielt Kriegsverbrechen an zivilen Opfern, zumeist Frauen und Kindern, begangen zu haben und setzen sich in keinster Weise damit auseinander, die letzten Sklavenhalter der Geschichte gewesen zu sein.

Als die Briten 1788 den Aborigines ihr Land stahlen, da gestanden sie diesen nicht einmal zu, menschlich zu sein und behandelten sie wie Tiere. Den Status als vollwertige Menschen wurde ihnen erst im 20. Jahrhundert (!!) zugestanden. Bis dahin hatte man sie jedoch fast ausgerottet und ihre Kultur unwiederbringlich zerstört. Auch hier: Keine Scham, keine Reue, keine Aufarbeitung.

Wir müssen uns also wohl oder übel damit abfinden, dass die Scham, die wir angesichts der Gräueltaten unserer Großeltern oder Urgroßeltern empfinden, nicht von alleine kommt. Sie wurde uns aufgezwungen aber sie wird den heutigen Faschisten nicht aufgezwungen werden.

Dies – und das ist nun an all jene gerichtet, die bereitwillig mitmachen – mindert eure Schuld jedoch nicht im Mindesten. Und wenn ihr sie auch nicht in Form von Reue begleicht, so werdet ihr früher oder später zur Rechenschaft gezogen!!

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