Arme sollen schmerzfrei entsorgt werden?

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Arme sollen schmerzfrei entsorgt werden?

Man glaubt es kaum, wenn man das liest. Und doch sind wir nicht mehr weit von einer Ideologie entfernt, die wir doch längst hinter und geglaubt hatten. In Kanada ist unlängst ein Paper aufgetaucht, in dem zwei sogenannte „Bioethikerinnen“ erklären, dass und warum es inhuman ist, wenn man Menschen in ökonomisch schwierigen bis ausweglosen Situationen, den Freitod durch staatliche Sterbehilfe versagt.

Mit anderen Worten: Armut ist nach Ansicht dieser beiden Damen, die über einen nicht unerheblichen Einfluss auf die kanadische Gesetzgebung haben, ein Grund, um aus dem Leben zu scheiden.

Vorausgegangen war dem Aufsatz eine hitzige Debatte um ein Gesetz, das Kanada vor ungefähr zwei Jahren verabschiedet hat. Es heißt MAID und soll eigentlich unter bestimmten medizinischen Voraussetzungen die Sterbehilfe erleichtern. Es ist verständlich, wenn man todkranken Menschen, die keine Chance auf Genesung haben, ein längeres Siechtum erspart und ihren Willen nach einem schnellen Ende durch Sterbehilfe entspricht.

Doch kaum war dieses Gesetz verabschiedet, da mehrten sich auch schon die Skandale. Zuerst wurde die Sterbehilfe Kranken angeboten, die sie gar nicht in Anspruch nehmen wollten, dann sogar Behinderten. Zum Schluss entbrannte eine Debatte darum, wo den die Grenzen bei der Sterbehilfe zu ziehen seien. Könne man auch Armut als Grund angeben, um Sterbehilfe zu erhalten? Kann ein gesunder Mensch nur aufgrund der Tatsache, dass er ökonomisch benachteiligt ist, aus dem Leben gerissen werden?

Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, widmeten sich die beiden Damen, Kayla Wiebe und Amy Mullin, dieses Themas und kamen zu einem (für mich) überraschenden Ergebnis. Ja, auch eine sozioökonomische Benachteiligung, aus der man selber nicht mehr herausfinde und auf die Wohlfahrt des Staates angewiesen sei, sei durchaus ein Grund, um aus dem Leben zu scheiden.

Natürlich formulierten die beiden Damen das anders und sehr viel positiver, als ich es hier tue. Sie betrachten es von der Warte des armen Armen, dessen Zustand doch nun total ungerecht und unzumutbar sei. Ihm einen gnadenvollen Freitod unter diesen Umständen zu verwehren sei aus ihrer Sicht falsch, ja geradezu unmenschlich.

Also Spritze rein und weg damit.

Dass Armut nichts ist, was unvermeidbar wäre und letztendlich nur auf eine falsche Verteilung des Geldes zurückzuführen ist, haben die Verfasserinnen dabei vergessen zu erwähnen. Nur weil ein paar gierige Menschen nicht genug Geld bekommen können und Armut außerdem ein recht probates Mittel der Kontrolle ist, haben wir diese Probleme überhaupt.

Ich höre sie jetzt schon, die Menschen, die jetzt Schnappatmung bekommen und darauf verweisen, dass das Ganze erstens nur eine theoretische Betrachtung ist, die zweitens nicht in Deutschland, sondern Kanada stattfindet.

Dann zählen wir mal die Monate, bis es umgesetzt wird und man auch hierzulande laut darüber zu spekulieren beginnt.

 

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