Dieser Artikel entsteht, weil unser aktuelles (Finanz) System gerade wieder einmal sein unausweichliches Ende erreicht hat und in einem (geplanten) Krieg mündet. Das Ende war wohl bereits 2007/2008 erreicht, doch hatte man offensichtlich versucht, den Krieg noch etwas in die Zukunft zu verschieben.
Dass unser Finanzsystem endlich ist und stets in einer Katastrophe mündet, scheint unausweichlich, hängt aber letztendlich mit der Art und Weise zusammen, wie es funktioniert.
Unser Finanzsystem ist der Motor des Kapitalismus und gleichzeitig ist es auch sein Tod. Nein, ich bin nun nicht plötzlich unter die Sozialisten gegangen. Deren Ideen sind nämlich noch unausgegorener, als die Ideen des Kapitalismus. Sozialistische Systeme brechen ebenfalls regelmäßig zusammen, jedoch aus ganz anderen Gründen.
Einer der größten Probleme – so viel einmal vorweggenommen – ist die Ausschließlichkeit im Denken von Kapitalisten und Sozialisten. Jeder hält sein (und nur sein) System für das erstrebenswerte.
Kommen wir zu den Problemen des Finanzsystems:
Jedes Finanzsystem startet nach einem verheerenden Krieg auf die gleiche Art und Weise, nämlich mit einem großen Geldbedarf bei gleichzeitig wenigen Geldmitteln. Das hängt u.a. damit zusammen, dass nun alles wieder aufgebaut werden muss, was der Krieg zerstört hat. Und dieser Umstand ist auch durchaus gewollt. Denn nun kann eine Pumpe in Gang gesetzt werden, die das gesamte System hindurch begleiten wird – bis kurz vor seinem Ende. Danach wird es wieder einen Krieg geben.
Es ist eine Pumpe, die jetzt die fehlenden Finanzmittel zur Verfügung stellen wird. Allerdings nicht umsonst, sondern nur als Leihgabe gegen Zinsen. Damit stehen nun zwar kurzfristig die liquiden Mittel für den Wiederaufbau zur Verfügung; am Ende wird aber noch weniger da sein, als vorher, da ja mit den Zinsen auch Geld aus dem Finanzkreislauf abgezogen wurde. Dieses Geld fließt natürlich wieder zurück, denn anders geht es ja nicht. Es fließt allerdings nicht inform von Konsum zurück, sondern wieder als Leihgabe, für die Zinsen fällig werden.
Auf diese Weise fließt immer mehr Geld aus jenem Finanzkreislauf ab, mit dem beispielsweise Löhne bezahlt werden oder staatliche Transferleistungen, mit dem der Konsum bestritten wird, mit dem wir uns unseren Urlaub gönnen etc. Es fließt in einem Topf, der immer voller und voller wird, weil jeder Cent, der aus diesem Topf herausgegeben wird, gewissermaßen „mit Kindern“ zurückkehrt.
Zwar wird der Topf immer voller und voller, zeitgleich nimmt das darin befindliche Geld aber immer weiter an Wert ab. Die vom Betreiber dieses Topfes gebeutelten Strukturen müssen die abfließende Geldmenge nämlich irgendwie kompensieren. Das tun sie, indem sie das fehlende Geld schlicht durch neu gedrucktes ersetzen.
Da der Gegenwert konstant bleibt (ein Brot bleibt immer ein Brot und macht zwei Menschen einen Tag lang satt), schwindet der relative Wert des Geldes. Das Brot wird teurer. Das wiederum senkt die Kaufkraft der Menschen, die nun für die gleiche Arbeit mehr verdienen müssen. Und das wiederum setzt die Unternehmen unter Druck, die mit Preiserhöhungen reagieren.
Somit wird eine Inflationsspirale in Gang gesetzt, die sich gegen Ende des Systems immer weiter zuspitzt. Anfangs wird sie jedoch kaum bemerkt, weil der Leidensdruck fehlt. Man bekommt ja immer seine Lohnerhöhung und kann sich somit alles leisten. Der Absatz der Unternehmen bricht ebenfalls zunächst nicht ein, da die Kaufkraft durch die Lohnerhöhungen erhalten bleibt.
Der Schaden, den dieses System dennoch bereits recht früh anrichtet, ist trotzdem zu beobachten, wenn man nur genau genug hinschaut. So gehen nach und nach kleine Unternehmen pleite und werden von größeren, dann von noch größeren aufgekauft oder abgelöst. Besonders deutlich war das in der Landwirtschaft zu sehen, wo es heute praktisch keine Kleinbauern mehr gibt, die noch nach dem Zweiten Weltkrieg die Landwirtschaft dominierten.
Der Grund dafür ist, dass Unternehmen stetig wachsen müssen, um in dem System noch mithalten zu können. Das heißt, das gesamte System ist auf stetigen Wachstum angewiesen. Wer dabei nicht mithalten kann, verschwindet vom Markt.
Kapitalisten bezeichnen das als „notwendige Bereinigung des Marktes“ oder Ausleseprozess. Sie gehen davon aus, dass dadurch nur die Besten der Besten das Rennen machen. In Wirklichkeit sind diese Veränderungen aber die Folgen des Kapitalismus bzw. des Zinssystems. Und das bedeutet: Auch die Besten der Besten werden früher oder später an ihre Wachstumsgrenzen stoßen. Und dann ist das System an seinem Ende angelangt und wird durch den nächsten Krieg resettet.
Lösung Sozialismus?
Da stellt sich natürlich die Frage, ob sozialistische Systeme eine Lösung aus dem Dilemma bieten. Die kurze Antwort lautet: Nein, das tun sie nicht. Sozialistische Systeme versuchen lediglich, die staatsinternen Geldströme bis ins kleinste Detail zu steuern. Damit sie das tun können, nehmen sie den Unternehmern ihre Unternehmen weg. Man nennt das Verstaatlichung. Der Hintergedanke und gleichzeitig die Hybris dabei ist, dass Sozialisten glauben, besser wirtschaften zu können, als Unternehmer. Da sie das jedoch nicht können, fehlt in sozialistischen Systemen stets recht bald das Geld und sozialistischen Staaten starten in eine Mangel- oder Notwirtschaft. Bestimmte Produkte gibt es dann gar nicht mehr, andere nur nach langen Wartezeiten oder auf Berechtigungsscheinen.
Das sozialistische System KANN aber nicht nur aufgrund seiner menschlichen Fehleinschätzung nicht funktionieren, sondern vor allen Dingen, weil es von den gleichen Krediten abhängig ist, wie ein kapitalistisches System.
Das eigentliche Problem liegt also nicht im staatlichen politischen System, sondern in der Art und Weise, wie Staaten an Geld gelangen. Das politische System ist nur ein Instrument, um mit diesem Problem umzugehen.
Zinsen seien der einzige Anreiz, um Geld zu verleihen, heißt es. Das stimmt allerdings nicht. Ich stelle heute einmal einen anderen Anreiz vor.
Vorher müssen wir uns aber fragen, warum es das Mangelsystem überhaupt gibt. Warum startet jedes System mit einem eklatanten Mangel auf der einen und einem ebenso großen Überfluss auf der anderen Seite, der es der anderen Seite überhaupt erst ermöglicht, ein Geschäft mit Schulden und Zinsen zu machen?
Dass Zinsen den einzigen Anreiz darstellen, um Geld zu verleihen, ist nicht richtig. Ein anderer Anreiz wäre, durch Geldverleih keinen Verlust zu erleiden. Stellen Sie sich vor, dass jemand, der erhebliche Geldmengen anhäuft, um es an Staaten verleihen, um diese damit ausbluten lassen zu können, bei diesem Unterfangen massive Verluste erleidet. Das geht nicht? Doch, das geht! In der Theorie zumindest.
Das Zauberwort heißt hier Demurrage. Eine Demurrage ist ein negativer Zins, der nur auf Guthaben erhoben wird, welche nicht unmittelbar wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. In einem Demurragesystem würde es also überhaupt keinen Sinn ergeben, Geld nur zum Zwecke des Geldverleihs zu horten. Es würde nach und nach massiv an Wert verlieren. Der Anreiz des Geldverleihs ist hier nicht der zu erwartende Gewinn, sondern die Vermeidung des zu erwartenden Verlusts.
Weil ein Demurragesystem durch Verlust bei Hortung dazu ermuntert, sein Geld sofort wieder auszugeben, nennt man eine Demurragewährung auch „umlaufgesicherte Währung“.
Das Ganze ist natürlich nicht auf meinen Mist gewachsen. Bekannte wurde Demurragegeld Anfang des 20. Jahrhunderts vor allen Dingen durch Silvio Gesell, einem Sozialreformer und Finanztheoretiker. Die größte Bekanntheit erlange es durch ein Finanzexperiment in der kleinen Österreichischen Gemeinde Wörgl, wo es 1932 als „das Wunder von Wörgl“ weltweite Bekanntheit und eine gewisse Berühmtheit erlangte. Der dortige Bürgermeister hatte es eingeführt, um den Bankrott der Gemeinde abzuwenden und der allgemeinen Wirtschaftskrise, die 1932 in vollem Gange war, entgegenzuwirken.
Es gelang ihm auch, obwohl sein Modell in dieser Form nicht in größerem Stil hätte eingeführt werden können. Dazu wären der bürokratische Aufwand einfach zu groß und die, in dem System inhärente Ungerechtigkeit zu tiefgreifend gewesen. Das Wögler Freigeld kam nämlich nur jenen zugute, die in der Lage waren, zu arbeiten. Wer dies aus den unterschiedlichsten Gründen (Krankheit, Alter etc.) nicht konnte, partizipierte nicht von dem System.
Dennoch zeigte das Experiment, welches Potenzial im sogenannten Freigeld schlummert. Und das ist auch der Grund, warum es bereits kurz nach seiner Einführung schon wieder verboten wurde und trotz weltweiten, großen Interesses keine Nachahmer fand.
Doch auch Gesell hatte dieses Geld nicht erfunden. Tatsächlich war die Demurrage ein Nebeneffekt eines kurzzeitigen mittelalterlichen Experiments, durchgeführt von der katholischen Kirche. Diese hatte im angehenden 12. Jahrhundert mehrfach dazu aufgerufen, einen Geldverruf einzuführen. Hintergrund war eine Erleichterung bei den Steuereinnahmen. Durch Münzverruf war es den Menschen unmöglich, ihre Steuern nicht pünktlich zu entrichten.
Beim Münzverruf wurde das im Umlauf befindliche Geld ungültig und musste durch neue (gültige) Münzen ersetzt werden. Bei diesem Tausch wurden sogleich die Steuern abgezogen. Wer also 10 alte Münzen umtauschte, bekam nur 9 neue Münzen zurück. Eine Münze verblieb als Steuer. Der sogenannte „Zehnte“.
Es zeigte sich allerdings, gewissermaßen als Nebeneffekt, dass diese Form des Finanzsystems eklatante Vorteile mit sich brachte und zu einem Wohlstandszuwachs in der Bevölkerung führte. Mehr noch – da man umso mehr Steuern entrichten musste, je mehr Geld man umtauschte, spendeten die Menschen vor dem Geldverruf, was sie nicht unmittelbar brauchten. Sozusagen als Steuersparmodell. Zu jener Zeit brach also ein allgemeiner Wohlstand aus, der sich u.a. in großen Bauwerken, wie der Kathedrale von Notre Dame oder dem Kölner Dom zeigte.
Wer hingegen nicht davon profitierte, waren Geldverleiher, die nunmehr praktisch ihrer Einkommensquelle beraubt waren. Sie hatten das Geld bis dahin praktisch pervertiert, indem sie aus einem reinen Zwischentauschmittel, als das es ursprünglich gedacht war, eine Handelsware gemacht hatten. Geld verdirbt nicht. Daher kann man es horten, solange man mehr davon hat, als man zum Leben benötigt. Indem man dann demjenigen, der zu wenig davon hat, um leben zu können, etwas von dem Geld abgibt und Zinsen dafür nimmt, verhilft man ihm zu einer kurzfristigen Erholung, jedoch auch gleichzeitig zu einem langfristigen Desaster. Das ist das eingangs beschriebene Dilemma unseres Finanzsystems… nur in kleinem Maßstab. Indem der Geldverleiher dem Bauern kurzfristig mit etwas Geld aushalf, zwang er diesen letztendlich dazu, immer mehr zu arbeiten, um die Zinsen – zusätzlich zum normalen Bardarf – zu erwirtschaften. Bis dieser Bauer an die Grenzen seiner Belastbarkeit anlangte und zusammenbrach.
Der Geldverleiher war durch den Münzverruf nun also seiner Einnahmequelle beraubt, da nun auch das Geld (wie im Übrigen jedes Handelsgut auch) einen Wertverlust erlitt und nicht länger zwecks Verleih gehortet werden konnte. Silvio Gesell hatte diesen Effekt des Wertverlusts sehr gut erkannt.
Wer aber waren diese ominösen Geldverleiher des Mittelalters? Der braune Esoteriker hat hier sofort die Juden in Verdacht, aber in Wirklichkeit war es wohl vor allen Dingen der Orden der Tempelritter, der ein frühes, aus Zins basiertes Bankensystem in Europa etablierte. Seine Zerschlagung im 14. Jahrundert durch Philipp IV. war höchstwahrscheinlich eine direkte Folge dieses gierigen Geschäfts mit Schulden und Zinsen.
Falls dem so war, so hat es nicht viel genutzt, denn das Geschäft lief weiter und nahm immer mehr Fahrt auf. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung wurde es immer weiter verfeinert. Seine letzte große Veränderung erfuhr es, als es seinen realen Wert verlor und sein Wert tatsächlich nur noch an die Wirtschaftsleistung der arbeitenden Menschen gekoppelt wurde. Doch die nächste Entwicklung steht kurz bevor. Nun wird es nicht nur seinen realen Wert verlieren, also seine Bindung an ein Edelmetall, sondern es wird gänzlich unsichtbar werden. Als reine Digitalwährung wird es nur noch aus Zahlen bestehen, die zwischen Computern ausgetauscht werden. Damit wird es zu 100 % kontrollierbar sein.