Der Geist von 1953 – warum die aktuellen Iran-Unruhen keine Volksrevolution sind

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Was derzeit im Iran als „Revolution“ verkauft wird, ist keine. Es ist auch kein spontaner Volksaufstand, keine organische Eruption gesellschaftlichen Widerstands und schon gar kein historischer Neubeginn. Wer genauer hinsieht, erkennt ein altbekanntes Muster – eines, das im Iran bereits existenzielle Verwüstungen angerichtet hat. Die aktuelle Lage trägt alle Merkmale einer Neuauflage des Putsches von 1953, nur mit zeitgemäßer Inszenierung.

Der entscheidende Hinweis liegt nicht in Gerüchten, nicht in geheimen Dokumenten, nicht in vermeintlichen Enthüllungen. Er liegt offen zutage. Ausgerechnet inmitten angeblicher Freiheitsproteste taucht ein Ruf auf, der jede echte Revolution sofort entlarvt: der Ruf nach dem Schah. Genauer gesagt nach dessen Sohn.

Das ist kein Zufall, kein sentimentaler Irrtum oder etwa nostalgische Verklärung. Es ist ein politisches Signal. Wer den Schah zurückruft, ruft nicht Freiheit, sondern nach einer US-Marionette. Der Schah war nie Ausdruck iranischer Selbstbestimmung. Er war das Produkt eines ausländischen Eingriffs, eingesetzt 1953 durch eine verdeckte Operation der USA und Großbritanniens, um wirtschaftliche und geopolitische Interessen zu sichern. Diese Tatsache galt jahrzehntelang als „Verschwörungstheorie“, bis sie offiziell bestätigt wurde. Wer daraus nichts gelernt hat, will nichts lernen.

Der Schah war kein tragischer Modernisierer, der missverstanden wurde. Er war ein autoritärer Herrscher, gestützt von westlichen Geheimdiensten, abgesichert durch Folter, Überwachung und politische Repression. Seine Macht beruhte nicht auf Zustimmung, sondern auf Gewalt. Dass genau diese Figur – oder ihr dynastischer Erbe – heute wieder als Heilsbringer präsentiert wird, ist der schlagende Beweis dafür, dass es sich nicht um eine Volksbewegung handelt. Kein Volk, das sich selbst befreien will, ruft nach der Rückkehr einer fremdinstallierten Autokratie.

1979 haben die Iraner den Schah nicht aus Laune vertrieben, sondern weil sein Regime unerträglich geworden war. Dass sie anschließend Khomeini an die Macht ließen, war kein Beweis für religiösen Fanatismus, sondern das Resultat einer politischen Verwüstung, die 1953 begonnen hatte. Der erste Fehler war der Putsch. Der zweite war der Glaube, man könne Autoritarismus mit religiöser Moral ersetzen. Und nun droht der dritte Fehler: sich erneut instrumentalisieren zu lassen, diesmal unter dem Etikett „Revolution“.

Es ist naiv – oder absichtlich irreführend – zu behaupten, Revolutionen entstünden einfach so, aus dem Nichts, völlig unbeobachtet, völlig unbeeinflusst. Kein moderner Staat ist blind. Kein Geheimdienst schläft. Keine Massenbewegung dieser Größenordnung bleibt unbeeinflusst, ungelenkt oder ungenutzt. Die entscheidende Frage ist nie, ob es reale Unzufriedenheit gibt. Die gibt es im Iran ohne Zweifel. Die Frage ist, wer sie kanalisiert, in welche Richtung sie gelenkt wird und wem das Ergebnis nützt.

Und hier wird das Bild klar. Eine Bewegung, die angeblich gegen Unterdrückung kämpft, aber eine Figur aus der dunkelsten Phase fremder Einflussnahme rehabilitiert, ist keine Befreiungsbewegung. Sie ist ein Vehikel. Sie ist nützlich. Und sie folgt einer bekannten Blaupause.

Dass westliche Regierungen und Medien heute so tun, als seien sie bloße Zuschauer, ist Teil des Spiels. Genau so war es 1953. Auch damals hieß es, der Iran habe sich selbst destabilisiert. Auch damals war alles angeblich intern. Die Wahrheit kam erst Jahrzehnte später ans Licht – als niemand mehr zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Wer heute sagt, man müsse auf „Beweise“ warten, verkennt die Logik der Macht. Beweise kommen immer zu spät. Die Schäden entstehen vorher. Der Ruf nach dem Schah ist kein Detail, sondern der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Situation. Er zeigt, dass hier nicht um Selbstbestimmung gerungen wird, sondern um die Wiederherstellung eines kontrollierbaren Systems.

Eine echte Revolution blickt nach vorn. Diese blickt zurück – und zwar genau dorthin, wo der Iran schon einmal seine Souveränität verloren hat.

Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Sie tut es doch. Nur die Verpackung ändert sich.

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